Cannabis gegen Tremor und Co.?

Die Ursa­chen des Mor­bus Par­kin­son sind bis­lang noch nicht voll­stän­dig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass Ent­zün­dungs­pro­zes­se im zen­tra­len Ner­ven­sys­tem   (ZNS) und das Abster­ben von Ner­ven­zel­len (Neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­on) dar­an   betei­ligt und zugleich auch Zie­le für poten­zi­el­le The­ra­pi­en sind.

Im ZNS ist das kör­per­ei­ge­ne, soge­nann­te Can­na­bi­no­id­sys­tem für die Wir­kung der Sub­stan­zen aus Medi­zi­nal­hanf ver­ant­wort­lich. Die­ses Sys­tem hat sowohl eine ent­zün­dungs­hem­men­de als auch eine neu­ro­pro­tek­ti­ve (die Ner­ven­zel­len schüt­zen­de) Funk­ti­on. Daher unter­su­chen For­scher schon seit gerau­mer Zeit die Wir­kung von Can­na­bi­no­iden, bei­spiels­wei­se aus Medi­zi­nal­hanf, auf neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ve (mit dem Ver­lust von Ner­ven­zel­len ver­bun­de­ne) Erkran­kun­gen wie Mor­bus Par­kin­son. Als loh­nens­wer­tes Ziel einer Can­na­bi­sthe­ra­pie zählt der Can­na­bi­no­id-Rezep­tor 2 (CB2), eine Struk­tur auf der Ober­flä­che von Zel­len, die endo­ge­ne (vom Kör­per selbst gebil­de­te) oder auch von außen zuge­führ­te (exo­ge­ne) Can­na­bi­no­ide bin­det. Die Akti­vie­rung von CB2 regu­liert wie­der­um die Frei­set­zung von Boten­stof­fen, die das Immun­sys­tem   und Ent­zün­dungs­pro­zes­se beein­flus­sen. Zudem nimmt die Zahl der von Ner­ven­zel­len gebil­de­ten CB2-Rezep­to­ren wäh­rend ent­zünd­li­cher Pro­zes­se im ZNS dras­tisch zu. Ent­spre­chend gel­ten sie als wich­ti­ge Zie­le, um die ent­zünd­li­chen Abläu­fe bei neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ven Erkran­kun­gen zu bän­di­gen. Ein Vor­teil dabei: Wirk­stof­fe, die aus­schließ­lich an die­sen Rezep­tor bin­den, ent­fal­ten kei­ne Rau­sch­wir­kung. Der Can­na­bi­no­id-Rezep­tor 1 (CB1) hin­ge­gen scheint Ner­ven­zel­len vor dem Abster­ben zu schüt­zen. Aller­dings stellt er nach Ansicht von For­schern kein rea­lis­ti­sches Ziel für The­ra­pi­en dar, da gera­de bei neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ven Erkran­kun­gen jene Zel­len abster­ben, die CB1-Rezep­to­ren an ihrer Ober­flä­che tra­gen. Soweit die Theo­rie. In der Pra­xis konn­ten Stu­di­en   bereits zei­gen, dass Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol (THC), einer der Haupt­wirk­stof­fe des medi­zi­ni­schen Can­na­bis, Spas­ti­ken bei Pati­en­ten mit Mul­ti­pler Skle­ro­se lin­dern kann. Unter­su­chun­gen, ob der Wirk­stoff auch Par­kin­son- Pati­en­ten mit Levo­do­pa-indu­zier­ten Bewe­gungs­stö­run­gen (Dys­ki­ne­si­en), Zit­tern (Tre­mor)   oder psy­cho­ti­schen Stö­run­gen hel­fen kann, lie­fer­ten bis­lang kei­ne ein­deu­ti­gen Ergeb­nis­se. So konn­ten klei­ne­re, wenig stan­dar­di­sier­te Stu­di­en zei­gen, dass Tre­mor, Rigor (Erstar­rung), Bra­dy­ki­ne­se (Ver­lang­sa­mung der Bewe­gun­gen),   Schmer­zen, psy­chi­sche Ver­fas­sung und Schlaf nach dem Rau­chen von Mari­hua­na bes­ser wur­den. Ande­re Stu­di­en ver­fehl­ten sol­che Zie­le hin­ge­gen.   Can­na­bi­no­id-For­scher emp­feh­len daher stan­dar­di­sier­te Stu­di­en mit höhe­ren Teil­neh­mer­zah­len, kla­ren Stu­di­en­zie­len und genau defi­nier­ten Mess­me­tho­den, um den Nut­zen von Can­na­bi­no­iden bei Mor­bus Par­kin­son wei­ter zu unter­su­chen.