Fahrradfahren hält Neuronen im Takt

Patienten mit Morbus Parkinson leiden unter erheblichen Beeinträchtigungen beim Gehen, bis hin zum plötzlichen „Einfrieren“, dem sogenannten „Freezing of Gait“. Die genaue Ursache für das „Einfrieren“ ist bisher weitgehend unbekannt.

Verblüffend ist allerdings, dass die betroffenen Patienten ohne Probleme weiterhin Fahrrad fahren können. Neurowissenschaftler aus Düsseldorf, Konstanz und Aarhus (Dänemark) haben nun entdeckt, worauf dieses Paradox zurück zuführen sein könnte: Sie entdeckten bei Freezing-Betroffenen eine Art Störsignal im Gehirn, das bei Patienten ohne dieses Symptom nicht nachweisbar war. Um dem bislang unverstandenen Phänomen des Freezings auf den Grund zu gehen, hatten die Forscher die Gehirnaktivität von Parkinson-Patienten beim

Gehen und beim Fahrradfahren untersucht, indem sie die Aktivitätssignale der Basalganglien ableiteten. Diese tiefen Hirnstrukturen sind bei Parkinson-Patienten verändert, können normalerweise aber nicht direkt untersucht werden. Für die Studie nutzten die Forscher jedoch Elektroden, die den Studienteilnehmern im Rahmen der tiefen Hirnstimulation implantiert worden waren. Damit konnten sie zeigen, dass Fahrradfahren im Vergleich zum Gehen zu einer stärkeren Unterdrückung pathologischer Signale in einem breiten
Frequenzbereich, dem sogenannten beta-Band, führte. Die Nervenzellen in den betroffenen Hirnregionen kamen durch das Fahrradfahren quasi wieder „in den richtigen Takt“. Insgesamt zeigten Parkinson-Patienten mit Freezing zwar ein ähnliches Signalmuster wie Patienten ohne dieses Symptom, zusätzlich aber das
erwähnte Störsignal. Dieses gehört nach Einschätzung der Forscher neurophysiologisch wohl zur Parkinson-typischen Anfälligkeit für das „Einfrieren“. Wie es in einem Blockieren von Bewegungen gipfelt und das ganze System doch noch aus dem Takt gerät, bleibt jedoch weiterhin unklar. Allerdings
könnte die Unterdrückung der abweichenden Aktivität einen zentralen Ansatzpunkt für zukünftige Therapien bei Parkinson-Patienten mit „Freezing of Gait“ darstellen. Dabei wird sicherlich auch Fahrradfahren eine zentrale Rolle spielen.
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 14.09.2017