Bildnachweis: © angellodeco - Fotolia.com

Parkinson früher diagnostizieren

Mit kleinen Gewebeproben aus der Speicheldrüse im Unterkiefer scheinen US-amerikanische Wissenschaftler einen Morbus Parkinson früher und sicherer diagnostizieren zu können, als es bisher möglich ist1. Allerdings umfasste die Untersuchung nur einen geringen Stichprobenumfang, so dass die Ergebnisse noch in größeren Studien bestätigt werden müssen.

Wie die Forscher in der Zeitschrift „Movement Disorders“ berichten, hatten sie Proben von 25 Parkinson-Patienten, die ihre Diagnose vor weniger als fünf Jahren erhalten hatten, und von zehn Kontrollpersonen ohne Parkinson auf das Vorliegen von verändertem Alpha-Synuclein untersucht. Veränderungen dieses Proteins werden bei Morbus Parkinson für das Absterben von wichtigen Nervenzellen im Gehirn verantwortlich gemacht.

Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer betrug 69,5 Jahre bei den Patienten und 64,8 Jahre bei den Kontrollpersonen. Die durchschnittliche Krankheitsdauer der Patienten lag bei 2,6 Jahren.

Das veränderte „Parkinson-Protein“ fanden die Forscher in 14 von 19 (74 %) auswertbaren Biopsieproben von Parkinson-Patienten, während es in der Kontrollgruppe in zwei von neun (22 %) verwertbaren Proben zu finden war.

„Diese Studie ist der erste direkte Beleg dafür, dass sich die Biopsie der Unterkieferspeicheldrüse als Diagnoseinstrument bei Patienten im frühen Stadium eines Morbus Parkinson eignet“, erklärte Prof. Charles Adler, Neurologe an der Mayo-Klinik in Arizona. „Die Ergebnisse, die an Patienten mit frühem Morbus Parkinson gewonnen wurden, könnten von großem Nutzen sein, da die Diagnosegenauigkeit bei Patienten in frühen Krankheitsstadien bei Weitem nicht so hoch ist wie bei Personen, die bereits seit zehn Jahren und mehr unter Parkinson leiden.“

Der Forscher bezieht sich damit auf eine frühere Untersuchung seiner Arbeitsgruppe, bei der sie herausgefunden hatten, dass nur etwa 53 Prozent der Patienten in frühen Krankheitsstadien (< 5 Jahre Krankheitsdauer) eine richtige Diagnose erhalten, während die Diagnosegenauigkeit bei einer Krankheitsdauer von mehr als fünf Jahren auf 88  Prozent ansteigt2 .

Derzeit basiert die Diagnose vor allem auf der individuellen medizinischen Vorgeschichte, den vorherrschenden Symptomen, einer ausführlichen neurologischen Untersuchung und dem Ausschluss anderer Ursachen für die Symptome. Einen weiteren Nutzen der Ergebnisse sehen die Forscher bei den Einschlusskriterien für klinische Studien im Bereich Parkinson. Damit könnte es gelingen, Patienten auszuschließen, die nicht an Morbus Parkinson erkrankt sind.

1. Mov disord. 2016;31(2):250-6.
2. neurology 2014;83(5):406-12.

Bildnachweis:  © angellodeco – Fotolia.com