Reise vom Magen zum Gehirn

Durchtrennt man einen Nerv, der das Gehirn mit dem Bauchraum verbindet, sinkt das Risiko, an Morbus Parkinson zu erkranken. Dieser Zusammenhang zwischen Bauch und Hirn wurde jetzt von schwedischen Forschern bestätigt. „Die neue Studie stützt die Hypothese, dass die Parkinson- Krankheit im Magen entsteht und sich über die Nervenbahnen ins Gehirn ausbreitet“, kommentierte Prof. Daniela Berg von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) die aktuelle Untersuchung aus Skandinavien.

Für die Untersuchung hatten schwedische Forscher die Daten von Patienten analysiert, die sich in den vergangenen 40 Jahren einer sogenannten Vagotomie unterzogen hatten. Diese Prozedur wurde früher oft zur Behandlung von Magengeschwüren angewandt. Dabei wird der Vagusnerv, der vom Gehirn in den Bauchraum zieht, ganz oder teilweise (einzelne Äste) durchtrennt und damit die Produktion von Magensäure blockiert.
Die Wissenschaftler verglichen dann die Häufigkeit von Parkinson-Erkrankungen unter Patienten, deren Vagusnerv ganz oder teilweise getrennt worden war, mit einer Kontrollgruppe aus der Bevölkerung.
Das Ergebnis: Von 9430 Personen, die eine Vagotomie hinter sich hatten, erkrankten 101 an Parkinson, das entsprach 1,07 Prozent. In der Allgemeinbevölkerung lag die Rate bei 1,28 Prozent. Dieser Unterschied war nicht signifikant. Deutlicher wurde der Trend, wenn die Forscher sich nur auf Patienten konzentrierten, deren Vagusnerv vollständig durchtrennt worden war. Gegenüber der Kontrollgruppe war das Risiko, an Parkinson zu erkranken, in dieser Gruppe um 22 Prozent geringer. Lag der Eingriff mindestens fünf Jahre zurück, war das Risiko sogar um 41 Prozent geringer.
Ähnliche Ergebnisse hatte zwei Jahre zuvor eine dänische Arbeitsgruppe erzielt, als sie den Zusammenhang von Vagotomien, die zwischen 1977 und 1995 vorgenommen worden waren, und dem Auftreten von Parkinson-Erkrankungen auswertete. Nach Ansicht der DGN lassen sich aus den Ergebnissen zwar keine neuen Therapieansätze, wohl aber neue Erkenntnisse zum Krankheitsgeschehen ableiten.